Kunstwerke in der Kapelle

Quelle: Evang. Kapellengemeinde

Johann Hinrich Wichern kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Heidelberg und regte mit seinen Predigten Christen aus dem Heidelberger Bürgertum an, sich gegen Armut und Ausgrenzung zu engagieren. Sie gründeten unter anderem einen Diakonissenverein, den Stadtmissionsverein, den ersten Kindergarten von Heidelberg und die Kapellengemeinde. Die Kapelle wurde am 2. Juli 1876 eingeweiht und ist seit 2004 die „Diakoniekirche für Heidelberg“.

Im Foyer der Kapelle hängt ein Holzkreuz, das im Sommer 2015 entstand: mehrere Stürme verwüsteten den Garten von Pfarrer Florian Barth. Beim Verfeuern der Äste rief seine Frau plötzlich: "Achtung! Sieh doch, wen Du gerade verbrennst!" Das Holzstück wurde gerahmt und hängt seither als "Jesus aus dem Feuer" in der Kapelle.

Quelle: Evang. Kapellengemeinde

Beim Betreten der Kapelle sehen Sie auf der rechten Seite das Kunstwerk „Totentanz“ von dem Holzbildhauer Bernhard Apfel. Der „Totentanz“ ist seit dem Mittelalter ein kirchliches Motiv, mit dem Tod umzugehen – von Holbein über Franz Schubert bis zu Otto Dix im 20. Jahrhundert wurde dieses Motiv immer wieder aufgegriffen. Wie lange dauert der Tanz mit dem Tod am Ende des Lebens? Unsere Gesellschaft schiebt Gedanken an den Tod häufig beiseite – aber: Sterben und Tod sind Prüfsteine unseres christlichen Glaubens. Deshalb hat der Tod in der Kapelle einen festen Ort des Gedenkens. Apfel stellt den Tod als fetten gefräßigen Herrn Tod dar, der auf der Welt tanzt – und alles um sich tanzen lässt. Im Hintergrund erkennt man individuelle Todesanzeigen, Pressemeldungen aus Tageszeitungen zu Tod und Sterben und den gekreuzigten Christus.

Quelle: Evang. Kapellengemeinde

Ihm gegenüber hängt als Antwort das Relief „Trost“: Der Hintergrund des Reliefs ist eine trostlose Landschaft – und viele Sprüche billiger Vertröstungen dieser Welt – zusammengefasst werden diese weltlichen Vertröstungen mit einem Spruch aus dem Buch Hiob „Leidige Tröster seid ihr“. Wer aber die Kapelle betritt, erwartet einen anderen, geistlichen Trost: Im Zentrum steht deshalb ein großer Engel, der mit langen Fingern nach oben zeigt. Die Finger deuten die heilige Trinität an, eine typische Engelsdarstellung aus dem Mittelalter. Über dem Engel sieht man angedeutet den auferstandenen Jesus Christus. Dieser echte, geistliche Trost wird hier angekündigt.

Quelle: Evang. Kapellengemeinde

Im Kirchenschiff der Kapelle hängen vier Darstellungen von Jesus aus dem 19. Jahrhundert, bildhaft schildern sie das Leben Jesu: Seine Geburt in Bethlehem, wie er als zwölfjähriger Junge die Schriftgelehrten und Pharisäer unterrichtet, auf der gegenüberliegenden Seite seine Kreuzigung und schließlich der Auferstandene. Im Zentrum der Bilder stehen Randgruppen: im Bethlehem-Fenster ein frisch geborenes Baby, dann ein Kind, im Kreuzigungsfenster ein Verurteilter, ein Leidender, ein Sterbender. Dies gibt das Wesen des Christentums wieder: Menschen, die an den Rand gedrängt werden, nimmt die Kirche in ihre Mitte. Davon berichten die zahlreichen Geschichten der Bibel. Gott sorgt sich um die Menschen in besonderer Weise, die nicht im Zentrum stehen. Im neuen Testament gibt es dazu einen Satz, der lautet: „Gott stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“, dies ist ein Leitsatz unserer Kirche.

Quelle: Evang. Kapellengemeinde

Im Zentrum des Altarraums steht ein massiver Altar aus Eichenholz. Der Altar hat viele Risse. Die Menschen, die in die Kapelle kommen, haben auch viele Risse und Narben in ihren Erinnerungen und in ihrem Herzen. Der Altar nimmt diese Risse auf und ist Ihnen deshalb ein Gegenüber. Gleichzeitig steht er sehr stabil. Er wiegt über eine Tonne. In seiner Unverrückbarkeit und Kraft symbolisiert er den Sitz Gottes, das Heilige, bei dem wir in der Not Trost und Frieden finden. Eichenholz hat die Eigenschaft, dass es mit den Jahren der Trocknung immer härter wird, in einigen Jahrzehnten ist der Altar so hart wie Stein. Der Altar wurde 2011 gebaut von dem Holzkünstler Werner Schlegel. Altar, Pult, Taufstein und der Ständer der Osterkerze sind aus einer Eiche geschnitzt. Sie war 700 Jahre alt und kommt aus dem Raum Bielefeld. Sie musste gefällt werden, weil sie in ihrem hohem Alter morsch geworden war. Sie wuchs 700 Jahre lang, um Altar in der Kapelle zu werden.



Quelle: Gabi Dietz Wölfer (Grafik) und Diana Deutsch (Bild)

An den Seiten sehen Sie Sakralfenster des Künstlers Johannes Schreiter. Der zeitgenössische Licht- und Sakralkünstler ist eng mit der Heidelberger Altstadt verbunden: er erarbeitete ein großes Konzept für die Heiliggeistkirche, von dem jedoch nur das Physik-Fenster in der Heiliggeistkirche eingebaut wurde. In den letzten Jahren erarbeitete Schreiter außerdem ein umfassendes Konzept für die Peterskirche. Gemeinsam mit den vier Schreiter-Fenstern in der Kapelle haben die evangelischen Altstadt-Kirchen so ein Gesamtkonzept entwickelt, das ihre Verbundenheit ausdrückt. In den vorderen beiden Fenster der Kapelle geht es um den Turm zu Babel, die Hochmut des Menschen, wie Gott dies zerwirft und zur Demut auffordert. Die beiden hinteren Fenster zeigen die Leitsätze der Kapellengemeinde als Diakoniekirche für Heidelberg: „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ und „Gott stößt die gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“

Quelle: Evang. Kapellengemeinde

Schreiter hat für die Kapelle auch die Paramente entworfen, die an der ursprünglichen Kanzel hängen. Paramente sind Tücher in weiß, violett, grün oder rot, die bestimmten Zeiten Kirchenjahres zugerodnet sind. Das weiße Parament hängt zum Beispiel in der Weihnachts- und in der Osterzeit. Das violette Parament hängt in der Fastenzeit vor Ostern. Alle vier Paramente und ihre Zuordnungen können Sie im Foyer der Kapelle sehen.

Quelle: Evang. Kapellengemeinde
Das siegreiche Lamm schwebt leuchtend über der Kapelle, es ist auch das Logo und das Symbol des Siegels der Kapelle. Es erinnert an das Lamm aus dem Buch der Apokalypse, das das Buch mit den sieben Siegeln öffnet und an Jesus Christus, von dem Johannes der Täufer sagt: "Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!" (Joh 1, 29).

 
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